Abdallah, 16 Jahre
Irbid (Jordanien)

„Ich erinnere mich noch immer an die Explosion“

Der sechzehnjährige Abdallah kommt aus Deraa in Syrien. 2014 musste ihm nach einem Bombenangriff ein Bein amputiert werden. Heute lebt er in Jordanien und gewöhnt sich mit der Unterstützung durch Handicap International an die neuen Umstände.

„Ich denke immer noch an diesen einen Tag“, erzählt Abdallah. „Ich war daheim bei meiner Familie. Es war morgens. Flugzeuge kamen und begannen unser Viertel zu bombardieren… Ich erinnere mich an die Explosion… Mein Vater und ich wurden verletzt und mein Nachbar wurde getötet. Dann wurde ich bewusstlos…“ Der Teenager schweigt kurz, bevor er weitererzählt. „Eine Woche später wachte ich im Ramtha-Krankenhaus in Jordanien auf. Ich fühlte mich völlig verloren und hatte starke Schmerzen. Die Ärzte untersuchten, ob ich in meinem Bein noch etwas fühlte, doch schließlich beschlossen sie, es zu amputieren. Ich verbrachte zwei Monate im Krankenhaus und begann dann mit meinen Reha-Übungen in einem Gesundheitszentrum.“

Salam, einer unserer Physiotherapeuten, arbeitet nun seit einigen Wochen mit Abdallah. „Zuerst gaben wir ihm einen Rollstuhl und Krücken, damit er sich selbstständig bewegen kann. Nun zeigen wir ihm, wie er mit seiner neuen Prothese gehen kann. So kann er seinen Alltag meistern und sogar Sport machen“, erklärt er. „Ich liebe Basketball!“, fügt Abdallah hinzu. „Ich bin im lokalen Team. Außerdem gehe ich oft ins Fitnessstudio, wenn ich nicht in der Schule oder mit meinen Freunden unterwegs bin.“ „Mein Sohn ist ein Sportler, auch mit Behinderung!“, sagt seine Mutter Rahma und man sieht ihr den Stolz an.

Obwohl seine Mutter und Abdallah Zuflucht in Jordanien gefunden haben, sitzt der Rest der Familie noch in Syrien fest. „Manchmal spreche ich mit ihnen, wenn die Internetverbindung ausreicht“, sagt der Teenager. „Sie erzählen mir, wie hart das Leben in Syrien ist. Die Bombardements gehen weiter… Ich wünschte, der Konflikt wäre bald zu Ende und wir könnten alle nach Hause. In der Zwischenzeit lerne ich sehr viel. Ich würde gerne eines Tages Orthopädietechniker werden.“