Arjwan, 6 Jahre
Flüchtlingscamp Zaatari (Jordanien)

„Ich will nur, dass sie eine bessere Zukunft hat“

Die sechsjährige Arwjan wurde 2013 bei einem Bombenangriff in Syrien schwer verletzt. Vierzehn Verwandte des kleinen Mädchens starben an diesem Tag. Arjwan wurde sofort zur Behandlung nach Jordanien geschickt und lebt dort heute gemeinsam mit ihrer Großmutter im Flüchtlingscamp Zaatari. Mittels Physiotherapie hilft ihr Handicap International, sich von ihren Verletzungen zu erholen.

Als Mohammad, einer unserer Physiotherapeuten, in die Hütte von Arjwans Familie kommt, schaut das kleine Mädchen mit den blauen Augen schüchtern zu ihm auf. Ruhig sitzt sie neben ihm, an ihren Füßen die orthopädischen Schuhe, die sie von Handicap International erhalten hat. Erst als Mohammad Arjwans Bein freimacht, sieht man, was ihr passiert ist. Das Bein ist übersät mit riesigen Narben. Sie sind das grausame Überbleibsel des  Bombenangriffs, den sie überlebte.

„An diesem Tag im Oktober 2013 war Arjwan mit ihren Eltern und ihrer einjährigen Schwester in Deraa“, erzählt ihre Großmutter, die sich nun um sie kümmert. „Ich war bereits nach Jordanien geflüchtet. An diesem Abend erzählten mir Leute aus dem Camp, dass das Viertel, in dem meine Familie lebte, bombardiert wurde. Vierzehn Menschen wurden getötet, darunter auch Arjwans Mutter und ihre kleine Schwester. Ich erfuhr außerdem, dass meine Enkelin per Nottransport nach Jordanien zur Behandlung gebracht wurde. Ich eilte sofort zu dem Krankenhaus, in dem sie behandelt wurde, um bei ihr zu sein. Als ich sie das erste Mal sah, erkannte ich sie nicht… Ihr Gesicht war teilweise verbrannt und aufgeplatzt und ihr Bein war schwer verletzt. Ich war am Boden zerstört.“

Wir helfen Arjwan, sich von ihren Verletzungen und den Traumata zu erholen. Das kleine Mädchen spricht nicht viel. Was ihr passiert ist, nimmt sie noch sehr mit. Trotzdem macht sie ihre physiotherapeutischen Übungen in der Reha mit großer Sorgfalt und Aufmerksamkeit. „Sie ist sehr klug“, fügt ihre Großmutter mit einem liebevollen Blick auf die kleine Arjwan hinzu. „Ich war früher Grundschullehrerin in Syrien und bringe ihr deshalb jeden Tag neue Dinge bei. Sie kann nun bis 10 auf Englisch zählen und bis 100 auf Arabisch. Bald wird sie zur Camp-Schule gehen. Unser Leben hier ist schwer, aber ich stehe jeden Tag mit einem Ziel auf: Alles zu tun, um Arjwan eine bessere Zukunft zu bieten.”