Hozeifa, 17 Jahre
Bekaatal (Libanon)

„Ich erinnere mich nur an den Lärm der Explosion“

Hozeifa wurde 2016 bei einer Bombardierung in Idlib in Syrien verletzt. Seitdem ist er querschnittsgelähmt und lebt mit dem Rest seiner Familie in einem Zelt im Libanon. Handicap International hilft Hozeifa mit psychologischer und physiotherapeutischer Unterstützung dabei, sich an die veränderte Situation zu gewöhnen.

Mitten in den Bergen von Bekaa steht ein improvisiertes Zelt am Rand einer Wiese. Dort leben Hozeifa und seine Familie seit Ende 2016. Der Jugendliche liegt ausgestreckt auf einem Bett, das wir ihm gegeben haben, und kann sich fast nicht mehr bewegen. Der Physiotherapeut Mohamad besucht ihn regelmäßig und macht Bewegungsübungen mit ihm.

Der junge Syrer wurde im Laufe des vergangenen Jahres verletzt. „Ich ging mit meinem Cousin von der Schule nach Hause, als eine Rakete ganz in unserer Nähe einschlug. Ich erinnere mich nur noch an den Lärm der Explosion, dann verlor ich das Bewusstsein. Als ich erwachte, war ich im Krankenhaus. Man hat mir gesagt, dass Granatsplitter meinen Körper durchbohrt und meine Wirbelsäule getroffen hatten.“ Hozeifa verbrachte mehrere Monate im Krankenhaus in Syrien, ehe er schließlich zu seiner Familie zurückkehren konnte, die seit einigen Jahren im Libanon lebte.

„Ich war zum Studium in Syrien geblieben. Ich gehörte zu den Besten meiner Klasse. Ich wollte Lehrer oder Arzt werden… Aber mit meiner Verletzung ist alles anders gekommen. Die Reise in den Libanon war sehr beschwerlich, aber ich wollte nach meinem Unfall unbedingt bei meiner Familie sein. Heute sind wir vereint, aber es fällt mir sehr schwer, mein Leben zu akzeptieren. Wir sind in diesem Zelt und im Winter ist es kalt. Derzeit kann ich mich nur im Rollstuhl bewegen, den ich von Handicap International bekommen habe. Mein tägliches Leben ist weit entfernt von meinem vorherigen.“

Mohamad versucht in den Übungseinheiten, den jungen Mann zu motivieren. „Ich versuche immer, positiv auf ihn einzuwirken“, erklärt der Physiotherapeut. „Ich möchte ihm zeigen, dass er trotz seiner Behinderung noch viel unternehmen kann. Wir begleiten ihn auch psychologisch im Kampf gegen seine Depression und darin, seine veränderte Situation anzunehmen.“ Und Hozeifa ergänzt zwischen zwei Übungen: “Diese Begegnungen mit Mohamad geben mir die Hoffnung zurück. Als ich im Libanon ankam, konnte ich nicht mal sitzen. Heute kann ich das. Nun hoffe ich, eines Tages wieder stehen zu können.“